Pontonbrücke und Rheinlandbesetzung
- Rückzug über den Rhein im November 1918 -
Nach dem Waffenstillstandsabkommen von Compiègne im November 1918 war der Erste Weltkrieg beendet und die Alliierte Rheinlandbesetzung begann. Die deutschen Truppen mussten vereinbarungsgemäß das linksrheinische Gebiet innerhalb einer kurzen Frist bis zum 6. Dezember komplett räumen.
Um die großen deutschen Truppenverbände rechtzeitig auf unsere Rheinseite zu schaffen, wurden von Pionierbataillonen eine Reihe von Pontonbrücken gebaut, eine davon zwischen Rüngsdorf oberhalb des Rheinhotels Dreesen und dem Süden von Niederdollendorf auf der Höhe von "Im Lohfeld". Weitere nahe gelegene Pontonbrücken gab es zwischen Mehlem und dem Süden von Königswinter sowie zwischen Bonn und Limperich.
Unsere Fotos zeigen die Pontonbrücke von 1918 zwischen Niederdollendorf und Rüngsdorf
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Auf der rechtsrheinischen Seite wurden einige Gebiete, die mit einem Radius vom 30 km halbkreisförmig um die Städte Köln, Koblenz und Mainz auf der rechten
Rheinseite lagen, ebenfalls von alliierten Truppen besetzt.
Diese besetzten rechtsrheinischen Landstriche bildeten sogenannte "Brückenköpfe" zu den drei Städten.
Dabei lagen die Halbkreise um Mainz und Koblenz so dicht beieinander, dass das kleine unbesetzte Gebiet zwischen Kaub und Lorch am Rhein und Limburg an der
Lahn die Form eines Flaschenhalses besaß, der an der engsten Stelle nicht einmal einen Kilometer breit war und von den Bewohnern ironisch "Freistaat
Flaschenhals" genannt wurde.
Ein weiteres unbesetztes Gebiet ersteckte sich von Bad Hönningen bis Oberkassel. Dabei war auch Niederdollendorf zunächst besetzt worden, weil man es fälschlicherweise als dem Kölner Brückenkopf zugehörig betrachtet hatte. Am 31. Dezember 1918 wurde es aber von den Besatzungstruppen wieder geräumt und gehörte seitdem zum unbesetzten Gebiet des Rheinlands.
Rechts des Rheins entstand laut dem Waffenstillstandsabkommen ein 50 km breiter Streifen "demilitarisierte Zone". Ein Puffer von 10 km zwischen besetzten und unbesetzten Gebiet wurde zur "neutralen Zone" erklärt.
Da die Besatzungsmächte unzufrieden mit den Reparationsleistungen waren, insbesondere wegen ausbleibender Holz- und Kohlelieferungen, wurden kurzfristig zwischen Februar 1923 und November 1924 während der französischen und belgischen Besetzung des Ruhrgebiets unter anderen auch die Gebiete zwischen den Brückenköpfen besetzt. Zu diesem sogenannten "Einbruchsgebiet", das sich in unserer Region vom Rhein bis Asbach und Uckerath erstreckte, gehörte mit Niederdollendorf auch das gesamte Siebengebirge und angrenzende Orte.
Quellenangaben:
| Verordnung über den Bau von Pontonbrücken und Verhaltensregeln für die Schifffahrt - Bekanntmachung Nr. 1991 vom 25. November 1918 |
| "Waffenstillstand von Compiègne (1918)" - Wikipedia |
| "Alliierte Rheinlandbesetzung" - Wikipedia |
| "Revolution und Rheinlandbesetzung" bei "rheindrache.de" |
| Rheinlandkommission : Historisches Lexikon Bayerns (Online-Sachlexikon) |
| Freistaat Flaschenhals - Wikipedia |
| Die neutrale Zone : "Als der Schmuggel bei uns zu Hause war" - (Bericht aus Rheinbreitbach)" |
| Fotogalerie "Schwimmbrücken über den Rhein" mit über 90 Exponaten im "Virtuellen Brückenhofmuseum" |
| YouTube-Film : "Der Feind am Rhein - Die allierte Besatzung nach dem Ersten Weltkrieg" |
Bildnachweise:
| Fotos der Pontonbrücke von 1918 : alle Fotos aus dem Archiv Richard Pilz, Niederdollendorf |
| Notgeld "Freistaat Flaschenhals" : Freistaat Flaschenhals - Wikipedia |
| Karte der besetzten Gebiete von 1918 : " Die Verträge über Besetzung und Räumung des Rheinlandes [...]" , Berlin, 1925, - bei "dilibri.de" |
