Eine neue historische Besitzerliste der Longenburg

Chronologische Übersicht der Eigentümer und der Erwerbsverhältnisse


Wappen von Hoff genannt Bell  Wappen von der Heiden  Wappen Palandt  Wappen Burman  Wappen Achatius  Wappen Beuth  Wappen Bewer  Wappen von Aix  Wappen von Weise  Wappen Custodis  Wappen von Loë  Wappen Dalwigk  Wappen von Kesselstatt

Vorstandsmitglieder der Heimatfreunde haben im Stadtarchiv Hürth ca. 3000 Ablichtungen von alten Longenburg-Akten angefertigt. Bei der Auswertung dieser Akten traten bisher schon viele spannende und bisher unbekannte Neuigkeiten über die Geschichte der Longenburg und ihrer Besitzer zu Tage.

Wir können jetzt wir eine viel genauere und weitergehende Chronologie der Besitzreihenfolge unserer ehemaligen Longenburg präsentieren als bisher und nun in der Lage, die Herren der Longenburg seit Mitte des 16. Jahrhunderts lückenlos aufzulisten.

Diesen Beitrag werden wir bei weiteren Erkenntnissen zur Longenburg-Hostorie jeweils auf den neuesten Stand bringen.


Nr Wappen Besitzer und Lehensträger Zeit Erwerb
Ersterwähnung der "Lunenburg" 1275
Mehr zu den Anfängen der Longenburg ...

"Longenberg, wie das Gut in früheren Urkunden stets genannt wird, war alter Besitz des Bonner St. Cassiusstiftes. Bei der Säkularisation 1803 besaß dieses Stift zwei Höfe in Niederdollendorf, den sogenannten Bonner-Hof und den Stapelhof, das freiadlige, churmütige Lehngut Longenberg. Schon 1131 wird ein Besitztum des Stiftes in Dollendorf urkundlich erwähnt, ferner in Urkunden von 1150, 1306 und 1315. Um welchen der beiden vorbenannten Höfe es sich aber handelt, ist nicht ersichtlich.

1275 tritt uns erstmals der Name „Lunenburg" entgegen. In einem Schreiben vom 6. November fordert der Abt von St. Martin in Trier den Archipresbyter zu Kaiserswerth auf, den „Winandus clericus de Lunenburg" und seinen Genossen Gottfried von Friesem anzuhalten, den von den Deutschordenshäusern in Koblenz und Ramersdorf erpreßten Zoll zurückzugeben."
H. F. Berswordt, Festschrift "Longenburgschule", 1982

Godart van Lomer
(ältester nachweisbarer Besitzer)
1407
Mehr zu Godart van Lomer ...

„Ritter Godart van Lomer gibt seinen am Longenberg gelegenen Weinberg, zu dessen Bebauung er nicht die Mittel hat, mit Einwilligung seiner Tochter Katharina, Nonne im Kloster Schwarzrheindorf, und im Einverständnis mit den Geschworenen des dem Stifte Vilich gehörenden Frohnhofes zu Niederdollendorf, in den der Weinberg lehnrührig ist, dem Heisterbacher Professmönche Peter van Kollen (oder van Hoynkirchgen) zu Lehn gegen sofortige Zahlung von 13 Goldgulden an ihn und 1 Goldgulden an seine Tochter. Dazu sollen in den beiden nächsten Jahren 15 Viertel, vom dritten Jahre ab jährlich eine Ohm Weinpacht in den Hof Longenburg geliefert werden.“

Quelle: Urkunde vom 02.01.1407

(unbekannte Besitzer) 15. - 16. Jahrhundert
Mehr ...
- Die Besitzer der Longenburg zwischen 1407 und circa 1550 sind uns zurzeit noch nicht bekannt. -
1 Johann Thiederich
(Adeliger)
bis ca 1550
1 : Mehr zu Johann Thiederich ...

Der Adelige Johann Thiederich, vermutlich nur ein Vorname, wird uns in Urkunden aus dem Stadtarchiv Hürth als Verkäufer der Longenburg in der Mitte des 16. Jahrhunderts genannt. Als Käufer wird ein Wilhelm von Hoff genannt Bell aus der Gegend von Dierdorf in der Grafschaft Wied dokumentiert.

2 Wappen von Hoff genannt Bell Wilhelm von Hoff genannt Bell ca 1550 – ca 1575 Kauf
2 : Mehr zu Wilhelm von Hoff genannt Bell ...

Wilhelm von Hoff genannt Bell kauft die Longenburg in der Mitte des 16. Jahrhunderts von einem Adligen namens Johann Thiederich. Die Familie von Hoff genannt Bell ist eine niederadlige Familie aus der Grafschaft Wied. Mitglieder der Familie werden vor allem in Dierdorf und Dreifelden, aber auch im südlichen Westerwald um Hadamar genannt.

Etwa 1575 erbt Wilhelms Sohn, Vinzenz von Hoff genannt Bell, den Hof.


von HOFF GENANNT BELL, Wilhelm, * ca 1510

⚭ ca 1535

N:, N:, * ca 1510

Kinder:
1. Vinzenz, * ca 1535, † 23.09.1610 Dierdorf
2. N:, Nonne im Kloster Rolandswerth, * ca 1540
3. N:, Nonne im Kloster Rolandswerth, * ca 1543
4. Augustina, * ca 1547, † ca 1610, ⚭ Johann von der Heiden
3 Wappen von Hoff genannt Bell Vinzenz von Hoff genannt Bell
(⚭1 (ca 1565) Catharina von Kreutz,
  ⚭2 (1595) Juliana Catharina von Stockheim)
ca 1575 – 1610 als Erbe:
Sohn
3 : Mehr zu Vinzenz von Hoff genannt Bell ...

Vinzenz von Hoff genannt Bell aus der Grafschaft Wied erbt die die Longenburg circa 1575 von seinem Vater Wilhelm von Hoff genannt Bell. Vinzenz ist ein im Westerwald bekannter gräflich wiedischer Beamter in Dierdorf und Altwied. Nach seinem Tod im Jahr 1610 erbt sein noch unmündiger Sohn, Philipp Wilhelm von Hoff genannt Bell, die Longenburg.

Überlieferungen zufolge soll zur Zeit des Vinzenz von Hoff das abgebrochene Herrenhaus der Longenburg neu errichtet worden sein.


von HOFF GENANNT BELL, Vinzenz,
Amtmann zu Altwied 1570-1584, Amtmann zu Dierdorf 1578-1610,
* ca 1535, † 23.09.1610 Dierdorf

1 ca 1560

von KREUTZ, Catharina
* ca 1535, † 1595 Dierdorf

2 1595

von STOCKHEIM, Juliane Catharina,
* ca 1565, † Ende 1613 Eltville (Rheingau)
(Sie wohnte als Witwe auf Gut Longenberg. Es heißt, dass sie schwachsinnig war. Sie wird als "Junffer" bezeichnet und hat zwei Vormünder, Otto Pilgrum und Hans Gerhard Fiedler. Sie verreiste am 26.07.1613 zu ihrem Vater nach Eltville, danach gibt es keine Nachricht mehr von ihr. Wahrscheinlich ist sie wenig später dort verstorben.)

Kind (⚭2):
1. Philipp Wilhelm, * ca 1596 Dierdorf, † 21.10.1617 Groningen
4 Wappen von Hoff genannt Bell Philipp Wilhelm von Hoff genannt Bell
(⚭ (1616/1617) Maria van Voort)
1610 – 1617 als Erbe:
Sohn von [2]
4 : Mehr zu Philipp Wilhelm von Hoff genannt Bell ...

Philipp Wilhelm von Hoff genannt Bell erbt die die Longenburg 1610 von seinem Vater Vinzenz von Hoff genannt Bell. Er stirbt - noch minderjährig - im Jahr 1617. Vier Wochen vorher ist auch seine schwangere Frau gestorben.

Kurz vor seinem Tode - insbesondere nach seiner teuren Hochzeit - ist Philipp Wilhelm hoch verschuldet. Er erhält von Johann Palandt (s. Nr. 6) eine Summe von 1.600 Talern als Kredit, der von seinem Großvater und Vormund Eberhard von Stockheim quittiert wird. Als Pfandverschreibung für diesen Kredit hat sich Johann Palandt das Gut Longenburg bzw. dessen Erträge gesichert.

Erben der Longenburg werden die Gebrüder Marten und Hermann von der Heiden, die Söhne von Philipps Tante Augustina von der Heiden geb. von Hoff genannt Bell, der Schwester seines Vaters (s. Nr. 2).


von HOFF GENANNT BELL, Philipp Wilhelm,
* ca 1596 Dierdorf, † 21.10.1617 Groningen

⚭ 12.01.1617 Groningen

van VOORT, Maria,
† 27.09.1617 Groningen
5 Wappen von der Heiden Gebrüder
Marten von der Heiden
(⚭ (ca 1575) Anna Maria Schliedener)
und Hermann von der Heiden
(⚭ (1628) Anna Catharina von der Heiden)
1617 – 1638 als Erben:
Vettern
5 : Mehr zu den Gebrüdern von der Heiden ...

Die Gebrüder Marten und Hermann von der Heiden, Söhne des Viaculus von der Heiden und der Augustina von Hoff genannt Bell (einer Schwester des Vincenz von Hoff, s. Nr. 3), erben die Longenburg von ihrem Cousin Philipp Wilhelm von Hoff genannt Bell.

Neben dem Gut erben sie aber auch Schulden in Höhe von 1.600 Talern bei dem späteren Longenburg-Besitzer Johann Palandt. Dieser hat sich das Gut Longenburg zur Sicherung seiner Ansprüche als Pfand verschreiben lassen. Als nach dem Tode des Marten von der Heiden sein Bruder Hermann trotz mehrfacher Aufforderung keine neue Belehnung beantragt - mit der Begründung, dies sei damals schon bei der ersten Belehnung geschehen -, wird ihm "wegen Ungehorsams" das Recht auf dieses Lehen entzogen und so erhält 1638 der Gläubiger Johann Palandt die Belehnung der Longenburg.

Der Streit um das Gut Longenburg zieht sich über Jahrzehnte hin und geht soweit, dass im Jahre 1650 die Witwe Hermanns von der Heiden das Gut Longenburg dem Kloster Heisterbach schenkt, obwohl es ihr gar nicht mehr gehört. Es erfolgt dann auch ein - letztendlich vergeblicher - Versuch der Heisterbacher Mönche, das Gut offiziell zu übernehmen.


von der HEIDEN, Martin,
* ca 1575, † 1630

von der HEIDEN, Hermann,
* ca 1580, † 1650

⚭ 1628

von der HEIDEN, Anna Catharina,
* ca 1605, † nach 1660
(Sie schenkt 1650 mit ihrem Sohn Haus Longenberg der Abtei Heisterbach)

Kind:
1. Johann Hermann, * ca 1629
6 Wappen Palandt Johann (d. Ä.) Palandt
(⚭ (1604) Catharina Cholini)
1638 – 1654 ab 1617
schrittweise Übernahme als Pfandbesitz
6 : Mehr zu Johann Palandt dem Älteren ...

Am 24.11.1638 wird der kurkölnische Hofrat und Rechtslizentiat Johann Palandt (d. Ä.) mit dem Gut Longenburg vom Bonner Cassiusstift belehnt. Vorausgegangen ist eine über zwanzig Jahre anhaltende Auseinandersetzung mit den Gebrüdern von der Heiden um das Gut und dessen Nutzung, ein Streit, der sich auch noch in die nächste Generation der Familien fortsetzt.

Bei der Belehnung mit Longenberg durch den Propst des Bonner Stiftes hatte der Lehensträger auf dem Hofgeding einen Wapeling zu Pferde in Montur und Rüstung vorzustellen der auf- und abritt, drei Schüsse abfeuerte und anschließend sein Pferd dem Propst als Churmut zur Verfügung stellte. Der Geldwert des Pferdes wurde sodann abgeschätzt und dem Lehensträger nach Zahlung der geschätzten Summe die Belehnungsurkunde überreicht. Im Anschluss daran fand ein Festessen statt [1].

Als Johann Palandt (d. Ä.) 1654 stirbt, geht das Gut Longenburg in der Erbfolge an seinen Sohn Johann Palandt (d. J.).

_______________________________
[1] Oberkasseler Zeitung 1963

PALANDT, Johann,
Lizentiat, kurkölnischer Hofrat und Kammerdirektor; Bonner Hofkammerpräsident und Amtmann der Propstei,
* ca 1575, † 04.01.1654 Bonn, ± Bonn, Minoritenkirche

⚭ 17.08.1604

CHOLINI, Catharina,
* ca 1580

Kinder:
1. Sibilla, * ca 1605
2. Catharina, * ca 1607, † vor 1655
3. Cordula, * 14.05.1609 Bonn, † 1655/1656 Kempen, ± Bonn, Minoritenkirche
4. Gertrud, * 25.03.1612 Bonn
5. Johann, * 1622 Bonn, † 16.06.1661, ± Bonn, Minoritenkirche
7 Wappen Palandt Johann (d. J.) Palandt
(⚭ (ca 1650) Regina Juliana Westhoven)
1654 – 1661 als Erbe:
Sohn
7 : Mehr zu Johann Palandt dem Jüngeren ...

Nach dem Tod seines Vaters Johann Palandt (d.Ä.) besitzt dessen Sohn Johann Palandt (d.J.) das Gut Longenburg noch sieben Jahre lang. Danach gehen Burg und Ländereien als Erbe weiter an seinen Schwager Peter Burmann und seine Schwester Gertrud.


PALANDT, Johann,
kurkölnischer Hofgerichtskommissar,
* 1622 Bonn, † 16.06.1661, ± Bonn, Minoritenkirche

⚭ ca 1650

WESTHOVEN, Regina Juliana,
* ca 1615

8 Wappen Burman Peter Burman
(⚭ (1634) Gertrud Palandt)
1661 – 1688 als Erbe:
Schwager
8 : Mehr zu Peter Burman ...

Peter Burmann ist der Ehemann der Gertrud Palandt, einer älteren Schwester von Johann Paland (d.J). So sind die beiden nach dem Tode von Johann die nächsten in der Erbreihenfolge der Palandts. Ihre älteste Tochter Maria Franziska Burman heiratet 1664 den kurkölnischen Geheimen Kriegs- und Hofkammerrat Arnold Friedrich von Achatius, der so zum nächsten Longenburg-Besitzer wird.


BURMANN, Peter,
kurkölnischer Vizekanzler, Zollschreiber zu Linz,
* ca 1610

⚭ ca 1634

PALANDT, Gertrud,
* 25.03.1612 Bonn

Kinder:
1. Ferdinand, ~ 05.06.1635 Köln, St.Maria Ablass
2. Adolph Sigismund, Dechant des Stifts St.Cassius, Direktor der Lehnskammer, Archivar des Kurfürsten,
* 02.02.1637 Bonn, ~ 04.02.1637 Bonn, St.Remigius, † 08.09.1701 Bonn
3. Maria Franzisca Mechtild, ~ 19.04.1639 Bonn, St.Remigius
4. Catharina Gertrud, ~ 11.06.1640 Bonn, St.Remigius
5. Johann Peter, kurkölnischer Staatssekretär, Domherr in Lüttich, Weihbischof in Köln, Bischof von Hermopolis (Titularbischof),
~ 01.06.1642 Köln, St.Paul
6. Johann Remigius, * ca 1645
7. Maximilian Heinrich, Dekan, Weihbischof zu Trier, Bischof i.p. zu Diocletian (Titularbischof),
* 22.05.1648 Bonn, † 20.10.1685 Bonn
8. Peter, ~ 06.11.1651 Bonn, St.Remigius
9 Wappen Achatius Arnold Friedrich von Achatius
(⚭ (ca 1664) Maria Franziska Mechthild Burmann)
1688 – 1694 als Erbe:
Schwiegersohn
9 : Mehr zu Arnold Friedrich von Achatius ...

Durch abermalige Vererbung in weiblicher Linie kam Longenberg an die kurkölnische Beamtenfamilie Achatius. Maria Franziska Burmann, eine Tochter von Peter Burman und Gertrud Palandt, ehelichte den kurkölnischen Geheimen Kriegs- und Hofkammerrat Generalkriegskommissar Arnold Friedrich Achatius, der 1688 statt den Brüdern seiner Gattin mit dem Gut belehnt wurde.

Ein Jahr vorher, 1687, war "Achatius zu Longenberg“ vom Kaiser Leopold I. für sich und seine Schwäger, die Gebrüder Burmann – darunter zwei Bischöfe –, in den erblichen Reichsadelsstand erhoben worden. Als 1689 die Dörfer Honnef, Niederdollendorf, Oberkassel und ein Teil des Fleckens Königswinter von den räuberischen Horden des Franzosenkönigs Ludwig XIV. geplündert und gebrandschatzt wurden, wurde auch Longenberg ein Raub der Flammen.

Im Jahre 1694 ward auf Absterben des Lehensträgers dessen Sohn, der kurkölnische Geistliche Rat und Propst zum Heiligen Kreuz in Mainz, der Kanonikus zu Bonn und Schwarz-Rheindorf Franziskus von Achatius für sich und zum Mitbehufe seines Bruders, dem kurkölnischen Hofrat Staatsarchivar und Lehensdirektor Johann Sigismund von Achatius mit dem Gute Longenberg belehnt.

Oberkasseler Zeitung 1963


von ACHATIUS, Arnold Friedrich,
kurkölnischer Geheimer Kriegsrat, Hofkammerrat, Generalkriegskommissar,
* ca 1635, † 1694 Longenburg (?)

⚭ ca 1664

BURMAN, Maria Franzisca Mechtild,
~ 19.04.1639 Bonn, St.Remigius

Kinder:
1. Johann Peter, ~ 27.11.1665 Bonn, St.Remigius, † vor 1673
2. Franz, kurköln. geistl. Rat zu Bonn (St. Cassius) und zu Schwarz-Rheindorf, Probst zum hl. Kreuz Mainz, protonotarius apostolicus,
~ 08.01.1668 Bonn, St.Remigius, † 07.10.1727 Bonn, ± Bonn, Münster
3. Johann Sigismund, ~ 15.11.1669 Bonn, St.Remigius, † 17.07.1715 Bonn, St.Martin
4. Adolph Sigismund, ~ 26.04.1671 Bonn, St.Remigius
5. Johann Peter, ~ 18.05.1673 Bonn, St.Remigius
6. Maximilian Heinrich, ~ 13.07.1674 Kaiserswerth
7. Maria Elisabeth, ~ 29.10.1676 Köln, St.Georg, † 13.08.1748 Bonn, St.Martin
10 Wappen Achatius Geschwister Franz von Achatius,
Johann Sigismund von Achatius
  (⚭ (ca 1675) Catharina Franziska Odilia Pelser)
und Maria Elisabeth von Achatius
1694 – 1727 als Erben:
Söhne
10 : Mehr zu Franz, Johann Sigismund und Maria Elisabeth von Achatius ...

1694 erhielt, auf Absterben des Lehnsträgers Arnold Friedrich von Achatius, dessen Sohn, der kurkölnisch geistliche Rat und Propst zum hl. Kreuz in Mainz, Kanonikus in Bonn und Schwarzrheindorf, Franz von Achatius für sich und seine Geschwister, dem kurkölnischen Hofrat Staatsarchivar und Lehnsdirektor Johann Sigismund von Achatius und der Maria Elisabeth von Achatius das Lehen zugesprochen. Johann Sigismund nahm am 30. November 1698 den Wiederaufbau des niedergebrannten Hauses in Angriff. Etwa zur gleichen Zeit errichtete er mit seiner Gemahlin Otilia von Pelser das schöne Barock-Wegekreuz an der Bergstraße, das dem Haupteingang der Burg genau gegenüber lag.

H. F. Berswordt, Festschrift "Longenburgschule", 1982

Danach erben vier Kinder des Johann Sigismund von Achatius und der Catharina Franziska Odilia Pelser das Gut Longenburg.


ACHATIUS, Franz,
kurköln. geistl. Rat can. capit. zu Bonn St. Cassius und zu Schwarz-Rheindorf, Probst zum hl. Kreuz in Mainz, protonotarius apostolicus
~ 08.01.1668 Bonn, St.Remigius, † 07.10.1727 Bonn, ± Bonn, Münster
von ACHATIUS, Johann Sigismund,
Dr. jur., kurkölnischer Hofrat zu Bonn,
~ 15.11.1669 Bonn, St.Remigius, † 17.07.1715 Bonn, St.Martin

⚭ ca 1705

PELSER, Catharina Franziska Odilia,
ca 1675, † 1731

Kinder:
1. Franz Joseph Johann, ~ 27.12.1706 Köln, St.Paul
2. Arnold Joseph Johann Cyriakus, kurköln. Hofrat, Oberamtmann zu Köln und Deutz, ~ 28.03.1708 Köln, St.Paul, † 1746/1747
3. Johann Arnold Joseph, Domkapitular, ~ 03.09.1709 Köln, St.Paul, † 1760 Köln
4. Catharina Theresia, ~ 12.07.1712 Köln, St.Paul
5. Maria Franziska Theresia, ~ 22.09.1715 Köln, St.Paul, † 21.04.1762 Köln
ACHATIUS, Maria Elisabeth
~ 29.10.1676 Köln, St.Georg, † 13.08.1748 Bonn, St.Martin
11 Wappen Achatius Geschwister Franz Joseph Johann,
Arnold Joseph Johann Cyriakus, Johann Arnold Joseph,
Maria Franziska Theresia von Achatius
1727 – 1762 als Erben:
4 Kinder von Johann Sigismund von Achatius
11 : Mehr zu den vier Geschwistern von Achatius ...

Als der Hauptlehnsträger Franz von Achatius 1727 verstarb, belehnte der Bonner Propst die Söhne des Johann Sigismund von Achatius, den kurkölnischen Hofrat und Oberamtmann Franz Joseph von Achatius und den kurkölnischen geistlichen Konferenzrat und Kapitular der Stiftskirchen St. Cassius in Bonn, St. Andreas in Köln und zu Schwarzrheindorf Arnold Joseph Cyriacus von Achatius, unter Zustimmung der übrigen Geschwister, des Kanonikers Johann Arnold von Acahtius und der Maria Franziska Theresia von Achatius am 13. Januar 1728 mit dem Gute.

Kurze Zeit später, im Jahre 1734, erteilte Papst Clemens XII. dem adligen Hause Longenberg die Erlaubnis zum Unterhalt einer Hauskapelle.

Nach dem Ableben der beiden Hauptlehnsträger ward am 3. August 1748 der Kanoniker Johann Arnold zum Vasallen bestellt. nach dessen Tod 1760 hatte seine vorbenannte Schwester das Gut inne. Mit ihr erlosch 1762 die Achatiusfamilie, und es kam zu einem Sukzessionsprozess unter den Nachfahren der älteren Palanttochter Cordula, der sich bis 1766 hinzog. Aus einem Vergleiche ging der kurpfälzische Hofkammerrat Johann Jacob Beuth als Erbberechtigter hervor.

H. F. Berswordt, Festschrift "Longenburgschule", 1982


von ACHATIUS, Franz Joseph Johann,
~ 27.12.1706 Köln, St.Paul
von ACHATIUS, Arnold Joseph Johann Cyriakus,
~ 28.03.1708 Köln, St.Paul, † 1746/1747
von ACHATIUS, Johann Arnold Joseph,
~ 03.09.1709 Köln, St.Paul, † 1760 Köln
von ACHATIUS, Maria Franziska Theresia,
~ 22.09.1715 Köln, St.Paul, † 21.04.1762 Köln
12 Wappen Beuth Johann Jacob Seraphin Beuth
(⚭ (ca 1754) Maria Odilia Sophia Antonetta von Huisgen)
für minderjährigen Sohn Adolph Franz Anton Beuth
1766 – 1772 4 Jahre Erbstreit,
als Erben:
Nachkommen
Cordula Palandt
12 : Mehr zu Johann Jacob Seraphin Beuth ...

Nach dem Aussterben der Familie Achatius und nach einem vierjährigen Streit um das Erbe Longenburg kommt es zu einem Vergleich und neue Besitzer der Longenburg werden Maria Odilia Sophia von Huisgen, eine Urenkelin der Cordula Palandt - diese wiederum auch eine Tochter von Johann Palandt (d.Ä.) (s. Nr. 6) - und ihr Ehemann Johann Jacob Seraphin Beuth, der sich noch im selben Jahr die Belehnung für seinen noch minderjährigen Sohn Adolph Franz erteilen lässt.

Die Familie Beuth ist zu dieser Zeit eine hochangesehene Düsseldorfer Familie. Der Vater des neuen Longenburg-Besitzers, Johann Adolph Beuth, ein Weinhändler, ist Mitglied des Düsseldorfer Magistrats und mehrere Jahre Bürgermeister in Düsseldorf. Sein jüngerer Bruder, Hermann Joseph Friedrich Beuth, wird durch seine naturkundliche Sammlung bekannt. Nach ihm ist heute die Beuthstraße in Düsseldorf benannt. Johann Jacob Seraphin Beuth ist in dem berühmten Totenkeller der Düsseldorfer Kirche St. Lambertus bestattet.

Johann Jacob Beuth besitzt das Gut Longenburg sechs Jahre lang und verkauft es dann mit Erlaubnis des Lehnsherrn an den Pfalz-Jülich-Bergischen Hofrat Johann Wilhelm Bewer in Düsseldorf.


BEUTH, Johann Jacob Seraphin,
~ 07.12.1726 Düsseldorf, St.Lambertus, † 25.01.1803 Düsseldorf, ± Düsseldorf, St.Lambertus Totenkeller

⚭ ca 1754

HUISKEN, Maria Odilia Sophia Antonetta,
~ 08.08.1715 Düsseldorf, St.Lambertus

Kinder:
1. Adolph Franz Anton Hermann Joseph, ~ 27.02.1755 Köln, St.Kolumba
2. Catharina Carolina Antonetta, ~ 21.06.1756 Köln, St.Kolumba
3. Maria Magdalena, ~ 05.12.1757 Düsseldorf, St.Lambertus
13 Wappen Bewer Johann Wilhelm Bewer
(⚭ (1752) Maria Eleonora Josepha Fuhr)
1772 – 1778 Kauf
13 : Mehr zu Johann Wilhelm Bewer ...

Noch in demselbem Jahr, 1772, in dem Johann Wilhelm Bewer das Gut Longenburg von Johann Jakob Seraphin Beuth erworben hat, stirbt er. Sechs Jahre später verkauft seine Witwe Burg und die Ländereien an den Baron Franz Joseph d'Ayx.


BEWER, Johann Wilhelm, jülich-bergischer Hofrat,
* 1727, ± 30.09.1772, Düsseldorf, St. Lambertus

⚭ 25.01.1752 Düsseldorf, St.Lambertus

FUHR, Maria Eleonora Josepha,
~ 05.05.1731, Düsseldorf, St. Lambertus, † 1810

Kinder:
1. Franciscus Wernerus Josephus Ignatius, ~ 07.11.1752 Düsseldorf, St.Lambertus
2. Maria Josepha Lucia Catharina, ~ 11.01.1754 Düsseldorf, St.Lambertus
3. Anna Maria Catharina Wilhelmina, ~ 31.01.1755 Düsseldorf, St.Lambertus
4. Franciscus Wernerus Ludovicus Josephus, ~ 26.08.1756 Düsseldorf, St.Lambertus
5. Joannes Wilhelmus Josephus, ~ 26.10.1757 Düsseldorf, St.Lambertus
6. Franciscus Carolus Josephus, ~ 17.06.1759 Düsseldorf, St.Lambertus
7. Adamus Ignatius Josephus, ~ 02.12.1760 Düsseldorf, St.Lambertus
8. Franciscus Josephus Johannes Nepomucenus, ~ 17.05.1762 Düsseldorf, St.Lambertus
9. Arnoldus Franciscus Xavierus Josephus, ~ 28.11.1765 Düsseldorf, St.Lambertus
10. Agnes Aloysia Josepha, ~ 31.07.1767 Düsseldorf, St.Lambertus
11. Margaretha Francisca Josepha, ~ 05.11.1769 Düsseldorf, St. Lambertus
14 Wappen von Aix Franz Maria Josef Baron d‘Ayx
(⚭ (1767) Eva Henriette Ernestine Freiin von Lützerode)
1778 Kauf
14 : Mehr zu Franz Josef Baron d‘Ayx ...

Nachdem Johann Wilhelm Bewer verstorben war, veräußerte dessen Witwe 1778, wiederum mit dem Einverständnis des geistlichen Lehnsherren das Gut für 10 000 Reichstaler an den kurkölnischen Kämmerer Franz-Joseph Baron d'Ayx und dessen Gattin, der Vilicher Kanonesse Eva Henrietta Freiin v. Lützerode. Auf Ersuchen des Ankäufers wurde im August 1779 dessen Sohn, der kurkölnische Kammerherr und Hauptmann Max Friedrich Baron d'Ayx – als letzter Lehensmann des Bonner Stiftes auf dem Gute Longenberg – feierlich mit diesem belehnt.

Oberkasseler Zeitung 1963


d'AYX, Franz Maria Joseph
Baron, Freiherr, Kämmerer, Besitzer der Longenburg,
~ 04.02.1737 Bonn, † 30.05.1811 Bonn

⚭ 31.12.1767 Bonn

von LÜTZERODE, Eva Henriette Ernestine
* ca 1743, † 29.08.1831 Bonn
(vormals Stiftsdame im Kloster Vilich, 1749 aufgeschworen)

Kinder:
1. Maximilian Friedrich Joseph Franz Anton Maria, ~ 29.12.1768 Bonn, † 20.04.1830 Köln
2. Karl Otto August Anton Joseph Maria, * 1776 Bonn, (⚭ 1800, Bonn, Veronika Meller)
3. Maria Anna, * 1778 Bonn, (⚭ 1815, Bonn, Peter Joseph Schmelz)
15 Wappen von Aix Maximilian Friedrich Baron d‘Ayx
(⚭1 (1803) Luise von Bodmer
 ⚭2 (1806) Gertrud Wipperführth)
1779 – 1809 als Erbe:
Sohn
15 : Mehr zu Maximilian Friedrich Baron d‘Ayx ...

Auf Ersuchen des Vorbesitzers Franz-Joseph Baron d'Ayx wurde im August 1779 dessen Sohn, der kurkölnische Kammerherr und Hauptmann Max Friedrich Baron d'Ayx – als letzter Lehensmann des Bonner Stiftes auf dem Gute Longenberg – feierlich mit diesem belehnt.

Unter der Familie d´Ayx wurde das Herrenhaus umgebaut und die Wirtschaftsgebäude neu errichtet.

Eine Auseinandersetzung, die Max Friedrich d´Ayx mit den Herren des Klosters Heisterbach um diese Zeit hatte, fällt ganz besonders ins Auge. 1798 hatte Kurfürst Max Franz dem Baron eine Kleinjagd im Bottamt Oberdollendorf übertragen. Nachdem dies zur allgemeinen Kenntnisnahme von der Kanzel publiziert worden war, veranstaltete Ayx mit mehreren Jagdgesellen eine Treiberei in der Gegend von Oberdollendorf. Allein die Heisterbacher Konventualen stellten die Jäger, behaupteten, die Jagd sei ihr alleiniges Recht und traktierten auf Einspruch d'Ayx´ dessen Leute mit einer wüsten Prügelei und Schießerei, wobei sie nicht vergaßen, die übelsten Reden wider den Kurfürsten zu führen.

Zu solchem Exzesse hatten die Konventualen auch noch etliche Königswinterer und Oberdollendorfer hinzugezogen. Es kam nachträglich zu einem Gerichtsprozess zwischen beiden Parteien, über dessen Ausgang jedoch keine Nachrichten vorliegen. Wenig später wurde das Kloster aufgelöst. Bei der Familie d'Ayx aber wiederholte sich ein Schicksal, das noch viele andere Familien infolge der französischen Revolution ereilte. Durch den ausbrechenden Krieg wurde die Existenz der Longenberger Gutsherrschaft erheblich geschmälert, endlich gar vernichtet.

Haus Longenburg, 1803 allodifiziert - d.h. von einem Lehen in freies Eigentum umgewandelt -, ging 1809 durch Kauf in den Besitz des Jacob Daniel von Weise über.

Oberkasseler Zeitung 1963


d'AYX, Maximilian Friedrich Joseph Franz Anton Maria,
Hauptmann,
~ 29.12.1768 Bonn, † 20.04.1830 Köln

1 13.11.1803 Schwägerhof

von BODMER, Luise,
~ 08.11.1772, † 1805 Köln

2 1806

WIPPERFÜRTH, Gertrud,
* ca 1781 Bonn, † 18.05.1852 Köln

Kinder (⚭2):
1. Peter Joseph Theodor, * 05.02.1806 Bonn, ~ 05.02.1806 Bonn, Stiftskirche, † 12.09.1867 Oberwesel, ± Oberwesel, Liebfrauen
2. Gebhard Leberecht, Pumpenmachergeselle, * ca 1815, † 03.09.1838 Köln
3. Johann Jacob, * 07.11.1819 Langel, ~ 07.11.1819 Rheinkassel, † 05.08.1837 Köln
16 Wappen von Weise Jacob Daniel Johann Nepomuk von Weise
(⚭ (1810) Anne Maria Franziska Freiin von Hilgers)
1809 – 1849 Kauf
16 : Mehr zu Jacob Daniel von Weise ...

Haus Longenburg, 1803 allodifiziert, ging 1809 durch Kauf von Max Friedrich Baron d'Ayx in den Besitz des Jacob Daniel von Weise über. Ein gedienter Militärmann, der sich als verständiger Ökonom und glücklicher Spekulant erwies und das Gut bald aus dem Verfall erhob. Durch Ankauf von Ländereien, insbesondere des säkularisierten Klosters Heisterbach, konnte er seinen Besitz erheblich vergrößern. Neben einem bedeutenden Wein- und Obstbau, den er sehr erfolgreich betrieb, war er schon unter französischer Herrschaft Maire und von 1815 bis zum Jahre 1844 Bürgermeister des Amtes Oberkassel, durch welchen Umstand die Longenburg zum ersten Bürgermeisteramt des hiesigen Bezirkes wurde. Nach seinem im Jahre 1849 erfolgten Tode hatte Daniel von Weise seinen fünf Kindern, die ihm aus seiner Ehe mit einer von Hilgers erwachsen waren, die Longenburg in bestem Zustand hinterlassen.

Oberkasseler Zeitung 1963


von WEISE, Jacob Daniel Johann Nepomuk
kurpfälzischer Lieutenant, Bürgermeister von Oberkassel (1815-1844), Gutsbesitzer
* 15.02.1767 Herrenstrunden ~ 16.02.1767 Herkenrath † 27.05.1849 Longenburg

st.⚭ 29.08.1810 Köln

von HILGERS, Anna Francisca Wilhelmina Antonetta Walburga
~ 23.07.1788 Köln, St.Laurentius † 24.07.1853 Longenburg

Kinder:
1. Franz Jacob, * 07.01.1812 Longenburg, † 11.11.1866 Berlin
2. Maria Eleonora Franziska Augustina Hubertina, * 18.07.1813 Longenburg
3. Agatha Henrietta Hubertina, * 12.11.1814 Longenburg, † 17.01.1880 Bonn
4. Caspar Joseph Eduard Hermann Friedrich, * 23.01.1816 Longenburg, † 07.09.1827 Bonn
5. Maria Sophia Maximiliane Hubertine, * 19.09.1817 Longenburg, † 14.02.1890 Koblenz
6. Anna Lucia Philippina Walburga Maria Josepha Hubertina Amalia, * 19.03.1822 Longenburg
17 Wappen von Weise 5 Geschwister von Weise 1849 – 1865 als Erben:
5 Kinder
17 : Mehr zu den 5 Geschwistern von Weise ...

Als Daniel von Weise nach seinem Tode im Jahre 1849 die Longenburg seinen fünf Kindern in bestem Zustand hinterlässt, werden die Ländereien unter den Geschwistern aufgeteit. 1865 verkaufen die Geschwister die Burg mit nur noch 60 Morgen Acker an den Kölner Notar Franz Wilhelm Gustav Custodis.


von WEISE, Franz Jacob,
* 07.01.1812 Longenburg † 11.11.1866 Berlin
von WEISE, Maria Eleonora Franziska Augustina Hubertina,
* 18.07.1813 Longenburg
von WEISE, Agatha Henrietta Hubertina,
* 12.11.1814 Longenburg, † 17.01.1880 Bonn
von WEISE, Maria Sophia Maximiliane Hubertine,
* 19.09.1817 Longenburg, † 14.02.1890 Koblenz
von WEISE, Anna Lucia Philippina Walburga Maria Josepha Hubertina Amalia,
* 19.03.1822 Longenburg
18 Wappen Custodis Besitzer: Franz Wilhelm Gustav Custodis
(⚭ (16.04.1842 Düsseldorf) Susanne Elise Müller)

Bewohner: Ludwig Ingenmey (Schwager des Besitzers)
(⚭ (1841) Marie Luise Custodis (Schwester des Besitzers))
1865 – 1869 Kauf
18 : Mehr zu Franz Wilhelm Gustav Custodis und Ludwig Ingenmey ...

Nachdem die fünf Kinder des Daniel von Weise bereits große Teile der Ländereien verkauft haben, erwerben 1865 der Kölner Jurist und Notar Franz Wilhelm Gustav Custodis und seine Ehefrau Susanna Elisa geb. Müller die Longenburg. Diese bewohnen das Gut jedoch nicht selbst, sondern überlassen es Custodis Schwester Marie Luise und ihrem Ehemann Ludwig Ingenmey.

Vier Jahre später wird das Gut Longenburg an den königlichen Rittmeister a. D. Reichsfreiherrn Friedrich Anton von Loë weiterverkauft.


CUSTODIS, Franz Wilhelm Gustav,
Jurist, Notar, Besitzer der Longenburg
* 29.03.1810 Düsseldorf, † 1896

⚭ 16.04.1842 Düsseldorf

MÜLLER, Susanna Elisa,
* 10.05.1813 Barmen, † 1884

Kinder:
1. Friedrich August, * 13.06.1843 Solingen, † 20.09.1910 Köln, ⚭ Susanna Heimann
2. Carl Gottfried, * 16.07.1844 Solingen, † 08.06.1924 Bonn, ⚭ 27.07.1872 Katharina Elisabeth Braubach
3. Elise Gertrud Emilie, * 28.03.1846 Solingen, † 15.11.1903 Bonn, ⚭ Theodor Freiherr von Negri, * 1838, † 1915
4. Eduard Edmund, * 31.03.1847 Solingen, ⚭ 16.08.1875 Nürnberg, Josephine Margarete („Grete“) Kreling
5. Emma Johanna Wilhelmina, * 29.01.1849 Köln, † 16.02.1850 Köln
INGENMEY, Ludwig,
Kaufmann, Bewohner der Longenburg

⚭ 16.04.1842 Düsseldorf

CUSTODIS, Marie Luise,
* 13.11.1816 Düsseldorf

Kinder:
1. Ludwig Jakob Eugen, * 17.05.1842 Emmerich
2. Robert Joseph Friedrich Ludwig ("Louis"), Bauunternehmer, * 14.08.1843 Emmerich, † 01.11.1902 Strasbourg
3. Adolph Andreas Joseph, * 29.05.1851 Goch
19 Wappen von Loë Friedrich Anton von Loë
(⚭1 (ca 1855) Anna Ernestine Maria von Robiano,
2 (1863) Mathilde Freiin von Waldbott-Bassenheim,
3 (1873) Rosalie Freiin von Geyr-Schweppenburg)
1869 – 1907 Kauf
19 : Mehr zu Friedrich Anton von Loë ...

Friedrich von Loë, der 1869 das Gut Longenburg von Franz Wilhelm Gustav Custodis erwarb, liess das gesamte Haus einer umfassenden Erneuerung unterziehen. In den achtziger Jahren errichtete er einen großen gotischen Festsaal. Er verstand es auch, die versplitterten Ländereien des Gutes von ca. 300 Morgen wieder in seiner Hand zu vereinigen. Ein Reskript des Papstes Pius IX. vom Jahre 1875 gestattete ihm, seiner Gemahlin und seinem Sohne Clemens erneut den Gottesdienst in einer Hauskapelle.

Friedrich v. Loë war dreimal verheiratet. Seine erste Frau, eine Gräfin v. Robiano, starb im Kindbett. Die zweite Gattin, Mathilde Freiin v. Waldbott-Bassenheim gebar ihm 3 Töchter und einen Sohn. Auch sie verstarb jung zu Longenburg. Ihr Grabstein ist an der Kirche in Niederdollendorf noch erhalten. Als Dritte ehelichte Friedr. v. Loë Rosalie Freiin v. Geyr-Schweppenburg, die ihn um 15 Jahre überlebte und 1922 auf Haus Longenburg verstarb. Diese dritte Ehe blieb kinderlos. Zwei der Töchter aus der Ehe mit Mathilde v. Waldbott-Bassenheim wurden gleichfalls Klosterdamen. Sohn Clemens Frhr. v. Loë war 1893 bis 1895 Bürgermeister im Amt Oberkassel. Er heiratete eine Freiin v. Fürstenberg, ererbte 1894 von seinem Oheim Frhrn. v Waldbott-Bassenheim die Burg Bergerhausen bei Blatzheim und erhielt nach dem Tode seines Vaters dessen Güter in Pont und Straelen dazu. Mit seiner, an den aus Westfalen stammenden, damaligen Landrat des Siegkreises, Adolph Frhrn. v. Dalwigk zu Lichtenfels vermählten Schwester Anna, trat er beim Neubau der katholischen Pfarrkirche zu Niederdollendorf 1911 als Stifter des Hochaltares besonders hervor. Er verstarb 1930 zu Bergerhausen ohne leibliche Nachkommen.

Nach dem Tode Friedrichs von Loë 1907 ging das Erbe der Longenburg an seine Tochter Anna Freifrau von Dalwigk und ihren Ehemann Adolph Maximilian von Dalwigk zu Lichtenfels.

Oberkasseler Zeitung 1963


von LOË, Friedrich Anton,
königlicher Rittmeister,
* 09.04.1820 Wissen/Weeze, † 24.03.1907 Longenburg, ± 28.03.1907 Niederdollendorf

1 ca 1855

von ROBIANO, Anna Ernestine Maria,
* 12.07.1828 Sondermühlen, † 17.03.1861 Adendorf

2 26.11.1863 Pfaffendorf

WALDBOTT von BASSENHEIM, Victorine Maria Theresia Mathilde,
* 02.12.1839 Siegen, † 06.01.1872 Longenburg

3 04.02.1873 Rath

GEYR von SCHWEPPENBURG, Rosalie,
* 17.05.1831 Burg-Rath (Kreis Köln-Mülheim), † 04.03.1922 Longenburg, ± 08.03.1922 Niederdollendorf

Kinder (⚭2):
1. Karoline Ottilie Felicitas Maria, * 30.10.1864 Adendorf, † 02.09.1940 Riedenburg/Bregenz/A
2. Clemens Maximilian Karl August Joseph Hubert Maria, * 08.03.1866 Adendorf, † 07.12.1930 Bergerhausen/Kerpen
3. Anna Klementina Huberta Maria, * 04.04.1868 Köln † 07.11.1937 Bonn, ± 11.11.1937 Niederdollendorf
4. Mathilda Wilhelmina Aloisia Eugenia Odilia Huberta Maria, * 31.07.1869 Longenburg, † 01.04.1954 Pützchen
20 Wappen Dalwigk Adolph Maximilian Hubert Maria von Dalwigk zu Lichtenfels
(⚭ (1890) Anna Klementina Huberta Maria von Loë)
1907 – 1924 als Erbe:
Schwiegersohn
20 : Mehr zu Adolph Maximilian von Dalwigk zu Lichtenfels ...

Nach dem Tode Friedrichs von Loë 1907 übernahm die Tochter Anna Freifrau von Dalwigk das Erbe der Longenburg. In den zwanziger Jahren ließ sie den die Burg umziehenden Wassergraben zuwerfen. Ihr Gemahl, Adolph Maximilian von Dalwigk zu Lichtenfels, wurde späterhin Regierungspräsident von Aachen und war Mitglied der deutschen Delegation, die nach dem Zusammenbruch des ersten Weltkrieges den Versailler Vertrag entgegennehmen musste. Durch Ankauf von Ländereien, insbesondere des säkularisierten Klosters Heisterbach, konnte er seinen Besitz erheblich vergrößern. Er starb im Jahre 1924, soeben von einer Dienstreise zurückgekehrt, an einem Schlaganfall auf der Longenburg.

Danach übernahm keines seiner zahlreichen Kinder das Longenburger Gut. Als die Witwe von Dalwigk erkrankte, wurde das gesamte Inventar der Burg verkauft und das Anwesen an den damals zu Godesberg wohnenden Reichsgrafen Johannes von Kesselstatt veräußert.

Oberkasseler Zeitung 1963


von DALWIGK zu LICHTENFELS, Adolph Maximilian Hubert Maria,
königl. Landrat, Regierungspräsident,
* 03.07.1860 Haus Boisdorf/Düren, † 20.11.1924 Niederdollendorf, ± 25.11.1924 Niederdollendorf

st.⚭ 01.08.1890 Oberkassel

von LOË, Anna Klementina Huberta Maria,
* 04.04.1868 Köln, † 07.11.1937 Bonn, ± 11.11.1937 Niederdollendorf

Kinder:
1. Marie Rosalie, * 30.05.1895 Lindlar, † 07.08.1977 München
2. Paula Theodora Agnes Maria Josepha Aloysia Huberta, * 16.01.1902 Wipperfürth, † 22.10.1977 Straelen
3. Anna Elisabeth Maria Josepha Aloysia Huberta, * 25.03.1904 Kassel
4. Sophie Reinharda Margaretha Maria Huberta, * 30.12.1907 Siegburg
(lt. überlieferten Berichten fehlen hier noch 6 weitere Kinder (2 Söhne, 4 Töchter) - diese werden bei Auffinden nachgetragen.)
21 Wappen von Kesselstatt Johannes Georg Julius Eugen Maria Graf von Kesselstatt
(⚭1 (1929) Ferdinande Johanna Josepha Anna Maria Gräfin von Hahn)
(⚭2 (1945) Alexandra Elisabeth Leonie Maria Paula Gräfin von Schmettow)
1936 – 1951 Kauf
21 : Mehr zu Johannes von Kesselstatt ...

1936 ging die Longenburg von den Nachfahren des Adolph Maximilian von Dalwigk zu Lichtenfels in den Besitz des Reichsgrafen Johannes von Kesselstatt über. Er ließ die Burg verschönern und modernisieren. Der bald ausbrechende zweite Weltkrieg versetzte dem Burghaus jedoch einen Schlag, von dem es sich nicht mehr erholen sollte. Am Spätnachmittag des 22. April 1944 zerschmetterte eine Fliegerbombe den nördlichen Eckturm des Herrenhauses. Die Gattin des Grafen, eine geborene Gräfin Hahn, und zwei ihrer vier Kinder konnten nur noch tot aus den Trümmern geborgen werden. Trotz der Not der Zeit wurden im Herbst 1944 die ärgsten Bombenschäden ausgebessert. Zu einer Neuerrichtung des Turmes kam es indes nicht mehr. 1952 veräußerte Reichsgraf Kesselstatt die Burg und einen ansehnlichen Rest der Ländereien an das Königswinterer Industrieunternehmen Lemmerz.

H. F. Berswordt, Festschrift "Longenburgschule", 1982


von KESSELSTATT, Johannes,
* 16.04.1902 Grundlsee, † 09.01.1963 Berenbach/Eifel

1 03.01.1929

von HAHN, Ferdinande Johanna Josepha Anna Maria,
* 01.07.1902 Arenfels, † 22.04.1944 Longenburg, ± 26.04.1944 Niederdollendorf

2 28.06.1945

von SCHMETTOW, Alexandra Elisabeth Leonie Maria Paula,
* 28.06.1914 Potsdam, † 24.07.1975 Trier-Ehrang

Kinder ⚭1:
1. Hans Stephan, * 16.12.1930 Bonn
2. Alice-Eugenie, * 04.05.1932 Bad Godesberg
3. Claus Peter, * 23.02.1935 Bad Godesberg, † 22.04.1944 Longenburg, ± 26.04.1944 Niederdollendorf
4. Franz, * 06.04.1936 Bad Godesberg, † 22.04.1944 Longenburg, ± 26.04.1944 Niederdollendorf
22 Schriftzug Lemmerz Paul Lemmerz (Lemmerz - Werke) 1951 – 1962

Mai 1962
Kauf

Abriss
22 : Mehr zu Abriss und Ende der Longenburg ...

Die Firma Lemmerz stellte im Jahre 1958 den Antrag auf Abbruch des Burghauses, obwohl dies dem Landeskonservator vorher gegenteilig versichert worden war. Alle Bemühungen um den Erhalt des Baudenkmals blieben erfolglos. 1956 - 1957 war bereits eine Werkshalle in unmittelbarer Nachbarschaft der Burg errichtet worden. 1959 mußten die Wirtschaftsgebäude einer weiteren Halle weichen. Im April 1962 begann man mit der Niederlegung des von Loe'schen Ahnensaales, und Ende Oktober erlag auch das 400 Jahre alte Herrenhaus der Spitzhacke.

Niederdollendorf war eines seiner bedeutendsten Baudenkmäler beraubt, die Longenburg zur Geschichte geworden.

H. F. Berswordt, Festschrift "Longenburgschule", 1982


Im Mai 1962 wurde auf einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderats Niederdollendorf mitgeteilt, dass der Abriss der Longenburg beschlossen sei und kurz bevorstehe. Ein entsprechender Antrag sei von den Lemmerzwerken gestellt worden. In einem neuen Leitplan wurde das Longenburger Gebiet nun als Industriegebiet ausgewiesen und der Abriss möglich gemacht. Durch Kriegseinwirkungen habe die Burg so gelitten, dass man von einem historischen Denkmal nicht mehr sprechen könne. Auch der Landeskonservator erhob gegen diesen Beschluss keine Einwände.


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