Über die Kribben, den Sumpfweg und das Werth
Ein Beitrag zur Niederdollendorfer HeimatkundeDie sieben Buhnen, von den Rheinländern "Kribben" genannt, die am Rheinufer von Niederdollendorf ca. 100 m in den Fluss ragen, kennt im Dorf jeder. Der "Sumpfweg" ist zumindest vielen Niederdollendorfern namentlich bekannt seit den Auseinandersetzungen, die zwischen Stadtverwaltung und Bürgergruppen um die geplante Bebauung seines südlichen Bereiches in den vergangenen Jahren stattfanden. Wenig geläufig ist dagegen der Gewannenname "Am Werth", der ja eigentlich eine Rheininsel bezeichnet, wo doch Niederdollendorf überhaupt keine Rheininsel besitzt.
Die Kribben
Unterhalb der heutigen Kribben befand sich im 19. Jahrhundert ein Ladeplatz für Basalt, welcher im Siebengebirge abgebaut und von Niederdollendorf aus verschifft wurde. Der Rhein wies hier eine übergroße Breite auf und es hatte sich am rechten Rheinufer eine ausgedehnte Bank von Sand und Kies angesammelt. Dadurch entstand eine wesentliche Behinderung des Ladeverkehrs und es gab die Forderung, das Rheinbett auf eine geringere Breite zu trimmen. Aus diesem Grunde wurden oberhalb eines neuen Ladeplatzes im Jahr 1887 sieben und unterhalb dieses Platzes drei Buhnen in den Rhein getrieben.
und der angrenzenden Gewanne "Am Werth"
In einer Denkschrift der "Rheinstrom-Bauverwaltung" von 1901 wird dazu genauer ausgeführt:
"Von Königswinter bis Bonn sind nur wenige Arbeiten erforderlich gewesen. Da das Gefälle hier normal war, bedurfte es zunächst nur einzelner Uferdeckungen. So wurden am rechten Ufer im Jahre 1855 unterhalb Königswinter 675 m und unterhalb Niederdollendorf 1055 m abbrüchige Uferlänge durch ein in Höhe von + 10' (,5,10 m) am Pegel liegendes Steindockwerk befestigt, während es den Anliegern überlassen blieb, für Deckung des Ufers über + 10' am Pegel zu sorgen.
Nur bei Niederdollendorf bestanden ungünstige Verhältnisse, insofern hier sich eine ausgedehnte Kiesbank vor dem rechten Ufer angesammelt hatte, die dem umfangreichen Ladeverkehr vor Niederdollendorf hinderlich wurde. Je mehr die Verladung von Basalt, die hier hauptsächlich stattfand, zunahm, desto dringender wurde die Forderung, die übergrosse Breite des Stromes auch hier auf sein normales Maass einzuschränken. Im Jahre 1887 wurde daher das rechte Ufer oberhalb Niederdollendorf durch sieben Buhnen, unterhalb desselben durch drei Buhnen bis zur Correctionslinie vorgeschoben. Zwischen beiden Systemen wurde vor dem Dorfe selbst ein 230 m langer Ladeplatz, der 15 m hinter der Correctionslinie zurückblieb, bis zu + 4 m Cölner Pegel angeschüttet, wobei von den betheiligten Steinbruchbesitzern das zur Befestigung desselben erforderliche Steinmaterial unentgeltlich geliefert wurde. Am linken Ufer wurden sechs Buhnen vor Rüngsdorf erbaut, deren Krone in + 3 m Bonner Pegel lag. Die Buhnen I bis VI und VIII bis X am rechten Ufer lagen in ihrer Krone nur auf + 2,50 m Bonner Pegel. Die Normalbreite wurde auf 280 m bemessen. Die Fahrrinne wurde in 100 m Breite bis auf - 1,50 m Cölner Pegel durch Baggerung vertieft, vor der Ladestelle wurde die normale Tiefe von - 1 m Cölner Pegel hergestellt. Die Gesammtbaggerung betrug 56830 cbm, die Kosten erreichten die Höhe von 116.011,90 Mark "
Der Sumpfweg und das Werth
Von der ersten - obersten - Buhne am südlichen Ende von Niederdollendorf gegenüber der Straße "Im Lohfeld" mit den weiteren sechs Kribben bis zum Fähranleger entlang des Rheinufers wird die Gewanne "Am Werth" im Westen begrenzt.
Die östliche Grenze des Werths bilden der Rheinuferweg und der vom Ende der Schönsitzstraße zum Ende der Johannes-Albers-Allee bogenförmig verlaufende Sumpfweg. Wie auf dem Luftbild gut zu erkennen ist, bildet das Gelände mit dem Gewannennamen "Am Werth" in diesen Grenzen in etwa ein Kreissegment. Auf alten Flurkarten ist erkennbar, dass auch der nördliche Teil dieses Weges, der heute "Rheinufer" heißt, früher Bestandteil des Sumpfweges war.
Wenn man unterstellt, dass der Sumpfweg seinen schon alten Namen nicht ohne Berechtigung trägt und der Weg in früheren Zeiten am Rande eines Sumpfes entlangführte, wird der Gewannenname verständlich und man kann bei dem Gelände tatsächlich von einem ehemaligen Werth - also von einer Rheininsel - sprechen.
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