Heinrich Reifferscheid, ein rheinischer Maler und Graphiker
( * 1872 in Breslau, + 1945 in Niederdollendorf)
Heinrich Reifferscheid, Maler und Graphiker, war ein Enkel des rheinischen Literaturwissenschaftlers und Dichters Karl Simrock. Nach dem Studium der Kunstgeschichte in Bonn und der Architektur in Berlin, sowie weiteren Ausbildungen an der Kunstakademie München, wurde er Professor an der Staatlichen Kunstschule der der Kunstakademie Berlin. Nach dem Ende seiner Lehrtätigkeiten dort und später in Düsseldorf, wurden der Rhein und seine Landschaften zum Lieblingsthema seiner Gemälde und vor allem seiner Radierungen.
Die letzten Jahre seines Lebens - von 1937 bis 1945 - verbrachte Heinrich Reifferscheid, den man auch den “Maler der Stille” nannte, in Niederdollendorf, in seinem damals neu errichteten Haus am südlichen Ende der heutigen Bergstraße.
Ausführlichere Biographien des “Malers der Stille” finden sich bereits auf vielen anderen Webseiten - s. Linkliste -.
Wir möchten an dieser Stelle an den berühmten Einwohner unseres Dorfes erinnern und hier ein paar seiner Kunstwerke zeigen, die aus Jahrbüchern und Kunstzeitschriften des frühen zwanzigsten Jahrhunderts entnommen sind (*), Auf einer weiteren Webseite lassen wir Heinrich Reifferscheid selbst zu Wort kommen, indem wir seinen Artikel aus dem Jahre 1927 wiedergeben, der uns einen tiefen Einblick in die Familie seiner Mutter Anne, seines berühmten Großvaters Karl Simrock und seines Urgroßvaters Nikolaus Simrock gibt und uns deren prominente Freunde und Bekannte vorstellt.
"An Theodor Storm"
"An Annette von Droste-Hülshoff"
"An Eduard Mörike"
"An Albert Welti"
"Rheinstraße"
"Inseln Grafenwerth und Nonnenwerth"
"Nonnenwerth im Morgennebel"
"Schleppdampfer bei Grafenwerth"
"Strohschober"
"Frühling""
"Der Wanderer"
"Gewitter im Gebirge"
"Drei Berge"
"Oberbayerisches Gehöft"
"Vorfrühling"
"Felsenhöhle"
"Die Gattin des Künstlers"
"Damenbildnis"
"Knabenbildnis"
"Bildnis"
"In der schwäbischen Alb"
"Am Spinett"
"Das Diktat"
"Tauwetter"
[...] Der Zahl [seiner Themen] nach kann man [Heinrich Reifferscheid] etwas anachronistisch einen "Landschafter" nennen. Dennoch sollte er nicht zum rheinischen Heimatkünstler reduziert werden.
In etlichen Blättern "porträtiert" er nämlich sehr wohl ferne Landschaftstypen, 1901 beispielsweise das "Gewitter in den Bergen", 1906 ein "Westfälische Landschaft". Als Meister der sublimen, symbolisch aufgeladenen Landschaft erweist Reifferscheid sich in seinen bewunderten Dichtern zugeeigneten Bildern. In wenigen Jahren radiert er Widmungsblätter an Adalbert Stifter, Eduard Mörike, Theodor Storm, Annette von Droste-Hülshoff, Friedrich Hölderlin und Percy Bysshe Shelley, auch an seinen Malerfreund Albert Welti.
Er versteht es, Wesenszüge der Poeten - wie die gespaltene Seele des in Umnachtung versinkenden Hölderlin - oder der Poesie - wie die den Himmel berührenden Bäume von Stifters "Hochwald" - ins Bild zu setzen. Im gleichsam collagierten Widmungsblatt an Storm zitiert Reifferscheid die 1643 von Rembrandt radierte "Landschaft mit den drei Bäumen".
Seine Verehrung für den großen Niederländer lässt sich auch anderen Radierungen ablesen: den flachen Rheinlandschaften mit den niedrigen Horizonten unter hohen Himmeln so gut wie einigen Menschenbildern. Das "Selbstporträt mit Hut" kann die Vorbildlichkeit von Rembrandts "Selbstbildnis, radierend am Fenster" von 1648 nicht leugnen.
Gewiss ist Reifferscheid kein Plagiat unterlaufen; es ging ihm vielmehr um einen alten Bildtypus, um das Bekenntnisbild als Künstler, denn auch er hält die Radiernadel in der Hand. Reifferscheid kommt ohne narrative Momente in seinen Porträts aus; er konzentriert sich ganz auf seine Modelle, seien sie nun durch jugendliche Anmut - wie "Das bekränzte Kind" - oder durch gebrechliches Alter charakterisiert.
Ein Erneuerer, ein Avantgardist ist Reifferscheid nicht; sein Stil wurzelt in der Romantik und im Realismus des 19. Jahrhunderts. Er verzichtet auf jeden modischen Trend, aber er geht virtuos mit der Radiernadel um; und er gelangt zu neuen Bildfindungen und selbst zu kühnen Bildstrukturen, etwa in dem sehr schönen Blatt "Alte Linde" von 1900. […]
Bildquellen:
[1] Die Kunst : Monatsheft für freie und angewandte KunstEinunddreissigster Band (1915), S. 247 - 253 Josef August Beringer, "Vom Maler und Radierer Heinrich Reifferscheid“
Einundvierzigster Band (1920), S. 211 - 217 Josef August Beringer, "Heinrich Reifferscheid"
[2] Rheinische Heimatblätter
Werner W. Knoeckel, "Das Land der Sieben Berge“ 1926, Heft 6, S. 206
Werner W. Knoeckel, "Der Maler des Siebengebirges "Zu den Bildern von Prof. Heinrich Reifferscheid" 1926, Heft 6, S. 215
Rudolf Paulsen, "Heinrich Reifferscheid Zu seinem 60. Geburtstag" 1932, Heft 8, S. 257 - 263
Dr. Paul F. Schmidt, "Rheinische Künstler auf der Juryfreien Ausstellung in Berlin“ Rheinische Heimatblätter, 1929, Heft 12, S. 390 - 394
Weiterer Link - zur Biographie von Heinrich Reifferscheid:
- Auszug aus einer Ausstellungsankündigung der Peter-Schwingen-Gesellschaft - Beitrag "Professor Heinrich Reifferscheid - der Maler der Stille"
Letztes Bild der Galerie aus: General-Anzeiger Bonn vom 20.12.2007 (s. Link oben)