Die Grenzen des Amtes Wolkenburg
Eine virtuelle Wanderung zwischen dem Herzogtum Berg und dem Kurfürstentum KölnIn Erinnerung an unseren im Jahr 2020 verstorbenen Vereinsvorsitzenden Herbert Bracht, der 2015 einen alten Grenzstein der ehemaligen Ämter Löwenburg und Wolkenburg aus dem neu bebauten Trillhaase-Gelände im Grenzgebiet zwischen Niederdollendorf und Königswinter gerettet hatte und an der Hauptstraße am Rande der CJD-Schule wieder aufstellen ließ, möchten wir Ihnen mit diesem Artikel eine virtuelle Wanderung entlang der Grenze des Amtes Wolkenburg anhand einer Karte des Landmessers Hermann Sandfort aus dem Jahre 1772 präsentieren.
Auf dieser Karte sind alle solche Steine, Kreuze, Wege, Bäche und sonstige Ortsangaben verzeichnet, welche die damalige Grenze zwischen dem bergischen
Amt Löwenburg und dem kurkölnischen Amt Wolkenburg markiert haben.
Das Amt Wolkenburg war eines der wenigen rechtsrheinischen Gebiete des Kurfürstentums Köln und umschloss die Orte Königswinter und Ittenbach
und die dazwischen und dahinter liegenden Fluren des Siebengebirges bis an den Pleisbach östlich des kleinen Ortes Hüscheid.
Umgeben wurde das Amt von den Kirchspielen Nieder- und Oberdollendorf, Oberpleis und Honnef, die alle im Bereich des Amtes Löwenburg lagen, das wiederum Besitz
des Herzogtums Berg war. Das Amt Wolkenburg bestand bis 1806 und wurde dann zunächst dem Amt Löwenburg einverleibt und gehörte später zur Mairie Königswinter.
Gesamtkarte und Beschreibung der Grenzmarkierungen
Im unteren Bereich dieser Dokumentation haben wir die Karte des Hermann Sandfort in 20 Abschnitte unterteilt. Die in diesen Abschnitten verzeichneten Ortsangaben sind mit Querverweisen auf Ausschnitte einer modernen Karte des Projektes "OpenStreetmap" für Königswinter und Umgebung versehen. Hier finden sich viele noch heute gültige Namen der entsprechenden Fluren und Berge wieder.
Transkript des Kartentextes
Copia
Land = Carte
Von dem ChurCollnischen Ambt Woleckenburg
wie Selbige auff Höchts gnädigstem befehl vom Churfürstlich
HoffRath unterem 24ten Novembre 1772 im beySein Zeitlichen
Gericht Schreiberen Scheffen und Gemeinheits Vorstheren, auch
Ältisten des fleckens Konigswinter, und Ittenbach, auff
der Selben weisen, ist Selbige verfertiget von
Herman Sandfort Ertzstiffts
Colnischer Patentisirter
Land Messer
Erklärung
deren in der Carte befindlichen Buchstaben und Numeren / als
Der als Grenzmarkierung mehrfach vorkommende Begriff "Laag" wird von Richard Pick im Jahre 1872 wie folgt beschrieben:
"[...] Der Brauch, einen bestimmten District durch einzelne mit einem Kreuz oder Nagel bezeichnete Bäume (Lacher, Laacher) abzugrenzen, begegnet uns in vielen Weisthümern und alten Grenzbeschreibungen. An die Stelle dieser Bäume, die anderwärts auch unter dem Namen Lachbäume, Lochbäume oder Malbäume vorkommen, treten späterhin Zäume und Steine."[...]
Richard Pick, Miscellen zum Niederdollendorfer Weisthum,
in: Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, Bd. 24, 1872, S. 316-317